Grußwort zur Marientracht 2017    

 

 

Liebe Gläubige, liebe Pilgerinnen und Pilger!

Unsere Zeit ist geprägt durch große Unsicherheiten: Immer wieder wird Europa erschüttert durch terroristische Anschläge. Man hat zudem den Eindruck, dass vieles in Europa auseinanderdriftet und zerfällt, was in den Jahrzehnten nach dem Zweiten Weltkrieg mühevoll aufgebaut wurde. Von Rückzügen in die eigene vertraute Welt und von nationalen Abkapselungen versprechen sich Menschen ein Wiederfinden ihrer Identität. Dabei wird leider oft vergessen, auf welchen Fundamenten unser Zusammenleben in Europa steht, und damit meine ich natürlich auch den gemeinsamen christlichen Glauben. Dieser Glaube gerät in Europa und auch bei uns immer mehr in Vergessenheit; er kommt vielen nur noch vor wie ein museales Gebilde vergangener Zeiten, das jedoch keine Bedeutung mehr für uns heute zu haben scheint.

Vor einigen Wochen ist unser Heiliger Vater Papst Franziskus nach Fatima gereist, um dort der Erscheinungen der Gottesmutter vor 100 Jahren zu gedenken. Bei der Festmesse zur Heiligsprechung der beiden Seherkinder Francisco und Jacinta sagte er: „Wir haben eine Mutter. Wenn wir uns wie Kinder an sie klammern, leben wir in der Hoffnung, die sich auf Jesus stützt [...]. Unter dem Schutz Mariens sind wir in der Welt Wächter, die den Morgen erwarten, die das wahre Antlitz Jesu, des Heilands, im österlichen Glanz betrachten können und das junge und schöne Gesicht der Kirche wiederentdecken können, das strahlt, wenn sie missionarisch, einladend, frei, treu, arm an Mitteln und reich an Liebe ist.“ Der Papst lädt dazu ein, in unserer Welt voller Unsicherheiten Halt und Zuversicht bei Maria zu suchen – und nicht woanders. Den Glauben sollen wir nicht für uns selbst behalten, sondern versuchen, aus dieser Hoffnung unser Leben zu gestalten und dadurch missionarisch und einladend für andere zu sein.

Ab dem 23. Juni findet die diesjährige Marianische Woche in unserer Wallfahrtskirche statt. Den Höhepunkt bildet die Marientracht am Sonntag, dem 2. Juli, bei der wie in jedem Jahr unser Gnadenbild durch die Straßen getragen wird.

 

Es freut uns, dass wir dazu Abt Mauritius Choriol OSB willkommen heißen dürfen, den Abt der Benediktinerabtei St. Mauritius in Tholey. Er wird das Pontifikalamt zelebrieren und die Predigt halten. In diesem Jahr findet erstmals ein Abend für Jugendliche am Beginn der Marianischen Woche statt. Dazu sind besonders die Firmlinge des letzten Jahres, aber auch alle anderen Jugendlichen ab 14 Jahren herzlich eingeladen. Die Marienlobe an den Abenden um 21.00 Uhr werden wieder von verschiedenen Chören und Musikgruppen gestaltet. Zudem feiern wir während der Marianischen Woche an jedem Morgen um 9.00 Uhr die Heilige Messe in unserer Wallfahrtskirche. Die normalerweise stattfindenden Werktagsmessen in den anderen Kirchen unserer Pfarreiengemeinschaft entfallen daher. Im Pfarreienrat wurde darüber abgestimmt. Dies soll die Bedeutung der Wallfahrt verdeutlichen und uns als Christen im Glauben zusammenführen. Dazu möchte auch die Sternwallfahrt aus unseren Pfarreien beitragen, die ab diesem Jahr immer an der Marientracht nach Beurig stattfinden soll. Und während des Pontifikalamtes und der anschließenden Prozession werden Messdiener auch aus den anderen Pfarreien unserer Pfarreiengemeinschaft mit dabei sein.

Vor dem Hintergrund der aktuellen Situation Europas und der Welt sind wir eingeladen, in diesem Jahr besonders um den Frieden zu beten, der in den Herzen der Menschen beginnt. Zugleich dürfen wir mit all den vielen Anliegen, die wir persönlich im Herzen tragen, zu Maria kommen. Dieser Glaube ist nichts von vorgestern, sondern wird uns in eine gute Zukunft führen – wenn wir uns von ihm tragen lassen, und wenn wir andere dabei mit auf den Weg nehmen. Vielleicht gelingt es Ihnen ja, dass Sie jemanden aus Ihrer Umgebung zu einem Gottesdienst während der Marianischen Woche mitnehmen, der normalerweise nicht viel mit der Kirche „am Hut“ hat.

Herzlich heißen wir Sie alle im ältesten Marienwallfahrtsort des Bistums Trier willkommen und freuen uns, wenn Sie die Gottesdienste mitfeiern!

Kaplan Jonas Weller