Neues Jahr 

Es ist Mitte Advent! Weihnachten ist noch nicht vorbei und ich soll etwas für den Pfarrbrief schreiben. Ich versuche mich hineinzudenken, was Menschen vom neuen Jahr erwarten?

Wahrscheinlich erhoffen die meisten das Beste. Aber ich kann mir gut vorstellen, dass auch viele beunruhigt sind. In den Medien werden viele Ängste angesprochen, manchmal auch geschürt.

Es gibt politische Unsicherheiten: Wie geht es weiter mit Europa? Erlebt die Welt noch mehr seltsame Präsidenten? Welche Steuern werden noch erfunden? Was macht das Klima?

Unsicherheiten auch im Bistum Trier: Wie wird Rom entscheiden? Die Liste lässt sich fortsetzen.

Die Hoffnungen und die Ängste sind real. Ich denke mir, es hilft nicht einfach zu beschwichtigen. Was soll ich schreiben?

Mir hilft das Nachdenken über den Advent. Bei der Lektüre bin ich noch einmal auf den Hinweis gestoßen, dass Advent und Abenteuer die gleich sprachliche Wurzel haben. Das lateinische „advenire“ bedeutet „ankommen“. Im englischen wird es noch deutlicher: „adventure“ heißt „Abenteuer“. Ein Abenteurer ist einer, der sich dem stellt, was ihm begegnet und was bei ihm ankommen  wird. Er weiß vorher nicht, was es sein wird. Nicht alles wird ein Vergnügen sein, aber er geht davon aus, dass es Höhepunkte gibt, für die sich alles lohnt.

Mich erinnert das an einen berühmten Kuraten der Pfadfinder. Rochus Spiecker hat behauptet, dass das Leben des Menschen, wenn es eine gewisse Größe gewonnen hat, abenteuerlich werde. Das Abenteuer erscheint ihm nicht als Extravaganz einiger Außenseiter, sondern als Horizont des großen Lebens überhaupt.

Er begründet das vom Menschen, der Welt und von Gott her.

„Vom Menschen her“: Weil er als Entdecker geboren ist und all seine Wege sind Versuche sind in das Unendliche hinein.

„Von der Welt her“: Weil sich auch unter der Oberfläche des Vertrauten und Umgänglichen jene Schwelle verbirgt, wo es abgründig und rätselhaft wird.

„Von Gott her“: Weil Er, der unausweichliche Partner, vor dessen Du der Mensch zum Ich wird, seiner Natur nach ungeheuer ist.“

(Klappentext, Rochus Spiecker, Der Ungeheure und die Abenteurer, Reprint Georgs Verlag 1987)

Liebe Gemeinde,

die Offenheit eines Abenteurers, das was kommen wird, anzunehmen und sich den Herausforderungen zu stellen, wünsche ich allen. Natürlich auch die Bereitschaft, die Höhepunkte dankbar zu genießen.

Die Wartezeit des Advents jedenfalls lehrt, dass es sich am Ende lohnt. 

In diesem Sinn wünsche ich allen auch im Namen aller Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter Gottes reichen Segen und ein gutes Jahr 2020.                              

Georg Goeres, Pfr.